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Full text of "Diagnose der Leistungsheterogenität durch die Perspektivische Textanalyse: VERTEX"

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Wilfried Bos & Christian Tarnai (Hrsg.) 

Computerunterstützte Inhaltsanalyse in den 
Empirischen Sozialwissenschaften 
Theorie - Anwendung - Software 




Waxmann Münster / New York 
München / Berlin 



Bernhard Bierschenk, Inger Bierschenk & Helge Helmersson 



Die Ökologie des Sprachraums 



1 Einleitung 

Dieser Beitrag stellt im wesentlichen eine Verschmelzung wichtiger Teile drei ver- 
schiedener Berichte dar (Bierschenk, 1993c; Bierschenk, 1992b; Helmersson, 1992), 
weshalb auf Literaturhinweise im Text weitgehend verzichtet wird. Die übrigen 
Referenzen weisen auf einige Schriften hin, die einen zusammengefaßten Überblick 
über eine Theorie- und Methodenentwicklung geben, die sich auf Textdynamik und 
Textverhalten bezieht. Langjährig wurde über theoretische und experimentelle Resul- 
tate in der Schriftenreihe "Kognitionsvetenskaplig forskning - Cognitive Science Re- 
search" (ISSN-028 1-9864) berichtet. Der interessierte Leser kann einschlägige Berich- 
te durch den Microfiche Service des ERIC Informationssystems beziehen. Das Haupt- 
charakteristikum des in diesen Berichten dargestellten Ansatzes besteht darin, daß er 
einzig und allein mit Diskontinuitäten als zuverlässigen Beobachtungen arbeitet. Wie 
der Bericht aufgebaut ist und was seine wichtigsten ökologischen Annahmen sind, 
wird in operationalisierter Form auf dem Hintergrund eines Systems von Computer- 
programmen widergespiegelt. Da die Herausbildung einer umgebungsorientierten Per- 
spektive von evolutionären Prozessen, Bifurkationen und Instabilitäten abhängig ist, 
wird gezeigt, wie verschiedene kontextabhängige Strukturen und Substrukturen eta- 
bliert und voneinander abgegrenzt werden können. Die Signifikanz des ökologischen 
Ansatzes in seiner Bewältigung von Komplexitätsproblemen wird schließlich modell- 
orientierend und topologisch mit ausdrücklicher Referenz zu den wohlbekannten 
"Visual Cliff" -Experimenten von Gibson & Walk (1960) demonstriert. 



2 Der Sprachraum 

Grundannahme des darzustellenden Ansatzes ist es, daß die Produktion von Text ein 
natürliches und kontextsensitives Phänomen ist, dessen Entwicklung durch eine 
organische Dynamik gesteuert wird, die sich nicht von der inneren Dynamik anderer 
lebender Systeme unterscheidet. Diese Dynamik wird durch den Sprachmechanismus 
zugänglich. Mit dessen Hilfe läßt sich Sprachraum in eine lineare textliche Repräsen- 
tation transformieren. Aufgrund von Sprachkonventionen verläuft nämlich die Text- 
produktion an der Oberfläche linear. Das bedeutet aber keineswegs, daß sich dessen 
innere Dynamik durch gewöhnliche Frequenzbestimmungen oder Relationsindikatoren 
messen läßt, da eine solche Erfassung seine Materialisierung voraussetzen würde. Das 
Neue in dieser Entwicklung ist es, daß sich sowohl der verbale Fluß als auch der 
Informationsfluß in einer Textproduktion erfassen lassen. Im folgenden soll dargestellt 
werden, wie beide Flüsse durch eine Analyse über Niveaus miteinander verbunden 
werden können. 



12 



B. Bierschenk, I. Bierschenk & H. Helmersson 



2.1 Ökologische Ausgangspunkte 

Ausgangspunkt für die Formation eines Sprachraums ist eine ökologische Perzeptions- 
Handlungs-Theorie. Der Messung des Raums liegt ein Modell zugrunde, das die 
Energie berücksichtigt, die während der Textproduktion investiert wurde. Generierter 
verbaler Fluß ist in diesem Prozeß mit der Agenten-Komponente (A) des Modells 
verknüpft. Der Informationsfluß dagegen ist mit der Objekt-Komponente (O) assozi- 
iert. Beide Komponenten sind durch die Bewegungs- oder Handlungs-Komponente (a) 
koordiniert. In der Formation des Sprachraums gestalten sich die Koordinaten unter- 
schiedlich. Die Differenzierung ist nämlich von den Intervallen abhängig, mit denen 
Objekte während des Produktionsprozesses eingeführt werden. Unterschiedliche Gra- 
dienten definieren die Variablen, die mit der O-Komponente verknüpft sind. "Ge- 
sichtspunkte" sind zum Beispiel Variablen der Fz'gwr-Komponente, die eine Subkom- 
ponente der O-Komponente ist. Die Figurkomponente repräsentiert die fokalen 
Punkte, die sich durch relativ kurze Abstände zwischen den Beobachtungspunkten 
charakterisieren lassen. Eine andere Subkomponente ist die Grand-Komponente, deren 
Variablen die "Standpunkte" sind. Deren Aufgabe ist es, die Textproduktion in der 
Realität zu verankern. Gemeinsam formen Figur und Grund die Koordinate der 
ökologischen Basis des Systems, in welchem sich ein Text entwickeln kann. Zusätzli- 
che Komponenten sind Mittel mit "Hilfspunkten" als Variablen und Ziel mit "Setz- 
punkten" als Variablen. Beide tragen zur Unterstützung oder Motivation einer Hand- 
lung bei. 



2.2 Reversible und irreversible Flüsse 

Beobachtete Irreversibilität im fließenden Objekt und in der Verlagerung von Objekt- 
gewichten auf die Agentenseite sind der Grund für die Einführung einiger Begrenzun- 
gen in der Funktionsweise. Im Fluß begrenzen Objekte höchster Rangordnung die 
Bestimmung des Flusses in fallender Ordnung. Eine weitere Begrenzung gilt der P- 
Wechslung durch passive Verben. P-Wechslung bedeutet, daß der Agent (X p ) im 
Raum lokalisiert ist, was dem Objekt eine Reversibilität aufzwingt. Dies bringt mit 
sich, daß das Objekt seine funktionelle Position wechselt. 

Der funktionale Satz. Text schreibt sich selbst in Übereinstimmung mit begrenzten 
Zyklen. Diese kontrollieren die Diskontinuitäten und Veränderungen im verbalen 
Fluß. Durch die Bestimmung einer Zeiteinheit, die im gegebenen Kontext eine 
Periode darstellt, etablieren uhrengleiche zyklische und rekursive algorithmische 
Prozesse ein dynamisches Regime. Es ist also zu erwarten, daß sich Bedingungen für 
eine dynamische Maschine in der Sprache abzeichnen. Durch Abgrenzungen, die mit 
Hilfe von Satzmarkören (z.B. Komma) angezeigt werden, lassen sich funktionell 
arbeitende Sätze nachweisen. In diesen wirkt das Verb als funktionale Konstante, die 
die Agentenseite mit der Objektseite koordiniert. Der Schritt, der durch ein Verb 
angezeigt wird, wird folglich mit einem funktionalen Satz gleichgesetzt. Die einfache 
Hauptregel für die Etablierung der Richtung zwischen der A- und O-Komponente ist 
die textliche Manifestation der a-Komponente. Die Gegenwart von (a) bedeutet die 



Die Ökologie des Sprachraums 



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funktionale Gegenwart einer A- Variablen und zumindest einer O- Variablen. Zu- 
sammen bilden sie den funktionalen Satz, der einen Schritt im System markiert. Eine 
potentielle Transformation tritt immer dann ein, wenn das System in einer bestimmten 
Periode einen Start oder Re-Start in der Bearbeitung eines funktionalen Satzes unter- 
nimmt. Im ersten Fall konnte ein Agent nicht identifiziert werden. Im zweiten Fall 
konnte das Verb keinen P- Wechsel verursachen. Diese Bedingung wird durch ein 
Endungsregister kontrolliert. Die erste Bedingung hat ihrerseits zwei Alternativen. 
Der Satzmarkör kann eine leere Spur vor dem Verb öffnen, das heißt, es kann keine 
Graphemserie ("Strang") zwischen Satzmarkör und Verb gefunden werden. Die 
andere Alternative impliziert, daß eine Präposition ( = Richtungsweiser) in Initialposi- 
tion die Spur schließt. In diesem Fall entdeckt das System einen Strang zwischen 
Richtungsweiser und Verb. Das System setzt in beiden Fällen den transformierten 
Agenten (KJ in die leere Spur ein. Der funktionale Satz bereitet die Bedingungen für 
eine Entfaltung des Sprachraums vor, der funktional und nicht etwa geometrisch ist. 
Der funktionale Satz ist ein Markör für Elastizität. 

Die AaO-Maschine . Die zentralen Eigenschaften dieser Maschine als Transportmecha- 
nismus machen es möglich, daß unabhängig von den Eigenheiten der Maschine selbst, 
ökologische Informationen aufgefangen werden können. Mit Bezug auf die kom- 
plementäre Rolle der A- und O-Komponente sind folgende grundlegende Bewegungen 
erlaubt: 

1 . Satzmarköre steuern ein iteratives Verfahren, das Stränge auswechselt. 

2. Platzhalter (= Dummies) für den Agenten (A) und das Objekt (O) werden 
durch Stränge ersetzt. 

3. Die Dummies für Agenten werden durch einen Vorwärts- oder Abwärts- 
schwung ausgetauscht. 

4. Die Dummies für Objekte werden durch einen Rückwärts- oder Aufwärts- 
schwung ausgetauscht. 

5. Pendelnde Abwärts- und Aufwärtsschwünge leisten diesen Austausch in 
Übereinstimmung mit "begrenzten Zyklen". 

6. Durch die Art und Weise, wie ein begrenzter Zyklus wirkt, werden die 
Diskontinuitäten und Veränderungen im verbalen Fluß kontrolliert. 

7 . Uhrengleiche und rekursive algorithmische Verfahren etablieren ein dynami- 
sches Regime. 



2.3 Die perspektivische Textanalyse im Überblick 

Die grundlegenden Prinzipien der perspektivischen Textanalyse sind in das PC-System 
PERTEX implementiert worden. Die folgende Beschreibung konzentriert sich auf eine 
Darstellung einiger der wichtigsten Schritte in der Textbearbeitung mit PERTEX, 
ohne jedoch auf technische Details des Systementwurfs und der Programmierung 
einzugehen. Jeder Schritt wird zuerst in allgemeinen Begriffen beschrieben und 
danach an einem illustrativen Beispiel erläutert. Es versteht sich von selbst, daß in 
diesem Zusammenhang die Mannigfaltigkeit der Schirmbilder und Wahlmöglichkeiten 



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B. Bierschenk, I. Bierschenk & H. Helmersson 



der einzelnen Parameter von untergeordneter Bedeutung sein müssen. In einer inte- 
grierten Textbearbeitung hat der Anwender des Systems selbstverständlich Zugang zu 
allen notwendigen Schritten und Kontrolle über deren Ausführung. Außerdem kann 
er jederzeit und auf jeder Bearbeitungsstufe den Prozeß von Neuem beginnen. Der 
Aufbau von PERTEX realisiert folgende Schritte: 

1 . Zuteilung von Codes anhand von Schlüsselwörtern für Verb, Präposition, 
und Satzmarkör. PERTEX arbeitet mit einem größeren Register für das 
Verb und einigen sehr kleinen Registern für die übrigen Schlüssel. Die 
Routinen zur Identifkation dieser Schlüssel sind natürlich von der jeweiligen 
Sprache abhängig. 

2. Berechnung und automatische Zuteilung von Codes zu Blöcken in Überein- 
stimmung mit der AaO-Maschine. Ein Block konstituiert sich sobald ein 
Verb, d.h. die a-Komponente, im AaO-Paradigma zugänglich ist. Ein Block 
ist immer dann vollständig, wenn sich sowohl eine A-Komponente als auch 
eine O-Komponente realisiert. Die O-Komponente differenziert sich durch 
die im Text angewandten Präpositionen. Die Grenzen eines Blocks werden 
durch Satzmarköre, wie zum Beispiel Komma und Punkt, angegeben. 

3. Supplieren von A- und O-Dummies. In fließendem Text sind die Variablen 
der A- und O-Komponente hin und wieder ausgelassen. Alle impliziten 
Hinweise auf die ausgelassenen Variablen oder die von diesen ausgehenden 
Hinweise werden in diesem Schritt explizit gemacht. Darüber hinausgehend 
kann PERTEX auch verschiedene Formen impliziter Selbstreferenz hantie- 
ren. 

4. Generieren von (A/0)-Matrizen. Die Koordination von (A) und (O) im 
Rahmen eines Blocks ist ein Eckpfeiler des Verfahrens. Alle unikalen Ver- 
knüpfungen zwischen den A- und O- Variablen, die in einem Text aufgetre- 
ten sind, werden in diesem Schritt in unterschiedlichen binären Matrizen zu- 
sammengefaßt. 

5. Clustern von (A/0)-Matrizen. Das Clusterverfahren, das von Ward (1963) 
entwickelt wurde, bildet das Fundament für die numerische Taxonomie 
eines Texts. Indem die O-Reihen in einer (A/0)-Matrix mit den A's als 
Variablen gruppiert werden, lassen sich strukturelle Relationen der Objekte 
extrahieren. Wird diese Matrix transponiert, können die A-Reihen anhand 
der O- Variablen gruppiert werden, was es möglich macht, daß die struktu- 
rellen Relationen der Perspektivierung der Objekte durch den Textproduzen- 
ten extrahiert werden können. 

6. Topologische Repräsentation des Clusterbaums. Vom Anwender wird er- 
wartet, daß er Signifikanzniveaus bestimmen kann. PERTEX bietet nicht 
nur ESS- Werte an, sondern auch verschiedene t-Tests zur Bestimmung des 
Schnitts im Baum. Dieser bestimmt die Anzahl der Cluster und die Text- 
inhalte der Cluster werden zur Benennung angeboten. 

7 . Die Cluster werden in Übereinstimmung mit ihrer hierarchischen Ordnung 
organisiert. Dieses Verfahren führt schließlich zu einer Synthese, die in der 
Wurzel des Clusterbaums endet. Der Prozeß der Synthese durchläuft dabei 
von Zustand zu Zustand einen transformativen Prozeß. 



Die Ökologie des Sprachraums 



15 



2.4 Import und Export von Textmengen 

Notwendiges Bindeglied zur Erfassung einer Struktur ist die Textur einer Serie von 
Strängen. Eine nähere Prüfung einer undifferenzierten Menge von Strängen zeigt, daß 
sie sich aus alphanumerischen Graphemen und Verbindungsgraphemen einschließlich 
Leerstellen zusammensetzt. Eine bildliche Darstellung eines Eingangstexts kann zum 
Beispiel die Form annehmen, die in Abbildung 1 symbolisch dargestellt wird. 

Abb. 1: Symbolische Repräsentation der Texteingabe. 

Zeile Etikett Text 

1 Fall .xxx xx xxxxxx xxx xxxx xxxx xx xxx xxxxxx xxxxx, 

2 xxxxxxxx XX xxx xxx xxxxxxx, XXX XX XX xxxxxxxxxx 

3 XXXXXX XX xxxx, xxxxxx xxxx xxxxx xxxx xxx xxxxx 

4 xxxxx. 



Das alphabetische Graphem 'x' wird in Abbildung 1 angewandt, um die unterschied- 
lichsten Textvariationen darstellen zu können. Ein Text kann sowohl von einem 
Textfile importiert oder zu einem externen File exportiert werden. Mit Hilfe eines 
"Editors" können importierte Textmengen auch verändert werden. In der Bearbeitung 
der Muster von Strängen helfen verschiedene Etiketten, zum Beispiel 'Fall'. Jede 
Zeile hat eine laufende Nummer (1, 2, 3). Diese Numerierung kann in der Auf- 
findung bestimmter Muster angewandt werden. Unter dem Etikett können Aufteilun- 
gen eingeführt werden, die es erlauben, zu einem späteren Zeitpunkt selektive Be- 
arbeitungen vorzunehmen. Sollten sich zum Beispiel die Muster einer Textmenge auf 
die Diskussionsbeiträge mehrerer Personen beziehen, können Bezeichnungen einge- 
führt werden, die es ermöglichen, den Text eines bestimmten Sprechers separat zu 
bearbeiten. 



2.5 Identifizierung von Mustern in einer Textmenge 

Typisch für den Mechanismus der Textproduktion ist das Wiederkehren von Ver- 
bindungsgraphemen als Indikatoren von Intervallen in Sprache oder Schrift. Graphem 
(.) markiert eine Periode in der Produktion von Strängen. In gleicher Weise geben (?) 
und (!) eine Produktionsperiode an. Die Brechung einer solchen Periode wird durch 
das Graphem (,) hervorgerufen. Grapheme mit gleicher Funktion sind (:), (;) und (-). 
Aber auch die Graphemstränge ('und', 'wenn', 'welche' etc.) können eine solche 
fraktionierende Eigenschaft haben. In der schriftlichen Produktion bestimmen unter 
anderem Regeln und Konventionen, wie zum Beispiel das Komma (,) in der Gruppie- 
rung von Strängen angewandt werden sollte. Doch die Art und Weise, wie dies ge- 
schieht, unterscheidet sich von Produzent zu Produzent gleicher Sprache und zwischen 
Sprachen. Aus diesem Grunde kann die Anwesenheit eines Satzmarkörs indizieren, in 
welchem Ausmaß Energie in einem bestimmten Intervall investiert wurde. Im all- 
gemeinen bedeutet das, daß Marköre für Energiepausen unterschiedlicher Länge 



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B. Bierschenk, I. Bierschenk & H. Helmersson 



existieren. Diese Pausen können entweder durch ein Graphem oder einen Graphem- 
strang oder eine Kombination beider markiert sein. Abbildung 2 macht das deutlich. 

Abb. 2: Gemeinsames Auftreten schwedischer Satzmarköre. 

Zeile Etikett Text 

1 Fall .När xx xxxxxx xxx xxxx xxxx xx xxx xxxxxx xxxxx, 

2 xxxxxxxx xx xxx xxx xxxxxxx, som om xx xxxxxxxxxx 

3 xxxxxx xx xxxx, vilket xxxx xxxxx xxxx xxx xxxxx 

4 xxxxx. 

Falls mehr als drei (3) Marköre, wie in Zeile 2, aufeinander folgend auftreten, wird 
deren Erscheinen als eine längere Pause aufgefaßt, was einem Punkt (.) gleichkommt. 



Der Textur einer Textmenge kann damit eine erste Bestimmung gegeben werden. Bis 
auf weiteres ist sie identisch mit den geometrischen Eigenschaften und der kinetischen 
Ordnung der ausgelegten Stränge. Ein Algorithmus für die Erkennung von Mustern 
hilft in der sukzessiven Markierung der Grenzen. In diesem Prozeß kann mit einem 
sehr kleinen Register gearbeitet werden, da die Stränge mit Grenzeigenschaften ein 
geschlossenes System bilden. Deren produktive oder energetische Eigenschaft charak- 
terisiert Sprache als selbstorganisierendes System, was im Hinblick auf den Informa- 
tionsfluß im System offen ist. 



2.6 Bestimmung der Länge eines Texts 

Wie alle intentionalen Bewegungen überhaupt ist auch der textliche Modus rhyth- 
misch. Diese Behauptung stellt die Basis für eine Operationalisierung des mechani- 
schen Prinzips zur Feststellung der Textlänge dar. Länge ist mit der Dynamik pro 
Zeiteinheit verknüpft. Sie sollte deswegen als eine Verlängerung von Bewegungen 
verstanden werden. Die rhythmischen Bewegungen in der Textproduktion verlaufen 
jedoch nicht linear, sondern vielmehr pendular. In Kugler & Turvey (1987) wurde 
demonstriert, daß das Bewegungssystem des menschlichen Körpers in Übereinstim- 
mung mit Naturgesetzen operiert. Aus diesem Grunde ist anzunehmen, daß mit aller 
Wahrscheinlichkeit keine prinzipiellen Unterschiede zwischen verschiedenen Lokomo- 
tionsschemata, wie zum Beispiel Gehen und Schreiben, existieren. 

Die Beine und Arme, Gelenke und Muskeln sind dynamisch koordiniert, um eine kör- 
perliche Bewegung in Gang setzen, halten und sie beenden zu können. In entsprechen- 
der Weise generiert der Körper Energie, um eine bestimmte Entfernung zurücklegen 
zu können. Zuviel an investierter Arbeit resultiert gewöhnlich in einer ernsthaften 
Überspannung oder Verlagerung. Normalerweise befinden sich jedoch die einzelnen 
Teile in harmonischer Zusammenarbeit, was die Formation von Bewegungen in eine 
Handlung zur Folge hat. Die Dynamik in diesen Bewegungen ist eng mit Intentionali- 
tät verbunden. Hierbei ist es in erster Linie nicht so sehr die Frage, ob und wie ein 



Die Ökologie des Sprachraums 



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bestimmtes Ziel erreicht werden kann, da ein solches weder bekannt zu sein braucht 
noch vorstellbar sein muß. Intentionalität bezieht sich auf das innere Potential eines 
lebenden Systems, das auf eine Selbstrealisierung hin strebt, was seinerseits Selbst- 
referenz manifest macht. Dieses Streben wird als rhythmische Bewegung über Zeit 
hin erkenntlich. Folglich gibt es Intervalle, in welchen dieser Mechanismus eine 
produktive Arbeit leistet. In anderen Intervallen besteht die geleistete Arbeit dagegen 
aus Reproduktion, was einen Wortschwall erzeugt. Für die Analyse bedeutet dieser 
Umstand, daß die Menge der selbstreferierenden Ausdrücke ein Maß für dessen 
Länge ist. 

Im Gehen bestimmt der Modus begrenzter und wiederkehrender Zyklen die körperli- 
che Bewegung der Beine und Arme. Der "biologische Kunstgriff", der diesen pendu- 
laren Mechanismus möglich macht, ist ein sich dynamisch verhaltender Verteilungs- 
punkt. Dem entspricht in der Sprache das Verb. In Konsequenz mit dieser Behauptung 
kann ein Intervall, das kein Verb enthält, auch keine Bewegung ausdrücken und damit 
der Analyse irgend etwas Neues zuführen. Selbstreferenz manifestiert sich immer 
dann, wenn ein Verb zwischen zwei markierten Grenzen erkennbar wird. Damit ist 
die Bedingung für das Schwingen eines Pendels gegeben. Folgerichtig fordert die 
Aufeinanderfolge von zwei Verben ihre Abgrenzung durch die Einführung eines 
Markörs. Dieser bestimmt die pendulare Ordnung. Durch diese Maßnahme kann zu 
einem späteren Zeitpunkt die Elastizität des Systems berechnet werden. 

Die Mustererkennung geschieht in der Bearbeitung des Verbs mit dem Ausgangspunkt 
in dessen Stamm und Beugungsendungen. Diese bestimmen das Verb als einen 
einfachen und finiten oder infiniten Strang. Für alle praktischen Zwecke sind gegen- 
wärtig zwei Register operativ und eins im Aufbau. Das erste bezieht sich auf Schwe- 
disch und enthält ungefähr 5000 Muster. Das zweite wurde für Englisch entwickelt 
und besteht aus 6000 Mustern. Im Aufbau ist ein Register für Deutsch, das gegen- 
wärtig ungefähr 3000 Muster enthält. Mit rudimentären sprachspezifischen Registern 
für Dänisch, Französisch, Italienisch und Lateinisch wurden Analysen durchgeführt. 
Es ist natürlich auch möglich, ohne die Angabe einer Sprache und damit ohne Unter- 
stützung eines Verbregisters Codes den Strängen zuzuteilen. Abbildung 3 verdeutlicht 
den Schritt der Mustererkennung. 

Abb. 3: Identifizierung des Verbs. 

Zeile Etikett Text 

1 Fall .När xx befann xxx xxxx xxxx xx xxx xxxxxx xxxxx, 

2 sträckte xx xxx xxx xxxxxxx, som om xx förväntade 

3 xxxxxx ta xxxx, vilket xxxx hände xxxx xxx xxxxx 

4 xxxxx. 

Dieses Verfahren bringt folgende wichtige Effekte mit sich. Aus grammatischer Sicht 
gesehen ist die finite Verbform (Zeile 1, 2, 3) die einzige Form, die einen Satz 
konstituiert. Im AaO-Modell ist das nicht der Fall. In diesem wird die Nominalisie- 
rung des infiniten Verbs mit der Absicht aufgelöst, hinter die Intentionalität zu kom- 
men. Die semantische Bedeutung des Verbs ist hierbei völlig irrelevant, weshalb auch 



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B. Bierschenk, I. Bierschenk & H. Helmersson 



bis auf weiteres keine Übersetzung angeboten wird. Das Verb ist als eine funktionale 
Konstante definiert worden, die die intentionalen und orientierenden Komponenten 
eines Texts koordiniert. 

Transponierung und Zuteilung von Codes. In der Phase der Mustererkennung und 
Zuteilung der Codes wird laufender Text transponiert, was in Abbildung 4 dargestellt 
ist. 

Abb. 4: Organisierung der Codes und des Texts in Kolonnen. 

Codes Text 
00 

01 När 

xx 

40a befann 
xxx 
xxxx 
xxxx 
xx 
xxx 
xxxxxx 
xxxxx 

01 

Mustererkennung und die Verknüpfung von identifizierten Mustern mit Codes ge- 
schieht mit Ausgangspunkt in einem Referenzrahmen, der festlegt, daß alle Ver- 
bindungen im Prinzip Codes zwischen (00-09) erhalten können, während das Verb 
immer Code (40) erhält. 



2.7 Bestimmung des Textagenten 

Koordination fordert Intentionalität. Die Modellkomponente für Intentionalität ist die 
A-Komponente. Der Textproduzent repräsentiert sich selbst in jedem Schritt, den er 
im Schreibprozeß vornimmt. Indem er Textagent (A u ... A„) als Variable einführt, 
nimmt er Stellung vis-ä-vis einer Umgebung oder einem Kontext, den er durch 
Einführung von Textobjekten (0„ ... O n ) darstellt und durch seine Fortbewegung 
winkelt. Das aktive Verb ist in Abbildung 4 mit (a) markiert, was bedeutet, daß ein 
Schritt vorwärts getan wird. Die besondere Eigenschaft des Textagenten ist es, daß er 
die Bewegung steuert. Deswegen ist sein funktionaler Platz im Satz, egal ob er 
textlich manifest wurde oder nicht, vor dem funktional aktiven Verb gegeben. Der 
Textagent kann damit algorithmisch bestimmt werden, was in Abbildung 5 durch 
einen Austausch des symbolischen 'xx' -Strangs mit einem sprachspezifischen Gra- 
phemstrang und der Zuteilung des Codes (30) simuliert wird. 



Die Ökologie des Sprachraums 



19 



Abb. 5: Berechnung des Textagenten. 

Text 

När 
de 

befann 



2.8 Bestimmung der Textobjekte 

Aufgrund der geringeren Energiekonzentration in der O-Komponente, die immer auf 
das Verb folgt, muß es ein Ordnungsprinzip geben. Im Rahmen der Ordnung, die der 
funktionale Satz begründet, gibt das Prinzipschema in Abbildung 6 die theoretisch 
bestimmte Ordnung zwischen den Subkomponenten an. 

Abb. 6: Begrenzende Ordnung der Codes für Richtungs weiser. 



Ordnungsrelation 



1 




2 




3 




60 


xxxx 


70 


xxxx 


80 


xxxx 


70 


xxxx 


60 


xxxx 


60 


xxxx 


80 


xxxx 


80 


xxxx 


70 


xxxx 



In Abbildung 6 werden alle sprachspezifischen Graphemstränge, wie zum Beispiel 
'auf, 'in', 'unter', mit (60) markiert, und alle folgenden Stränge gehören damit zur 
Grund-Komponente. In entsprechender Weise werden zum Beispiel 'mit' und 'durch' 
mit (70) markiert, und alle folgenden Stränge der Mittel-Komponente zugeordnet. Die 
Ziel-Komponente wird durch 'für' indiziert, was mit (80) markiert ist, und alle nach- 
folgenden Stränge gehören damit zu dieser Komponente. Schließlich sei noch er- 
wähnt, daß sich die Figur-Komponente durch Abwesenheit eines Richtungsweisers 
auszeichnet, was mit (50) indexiert ist. Eine Konsequenz der Irreversibilität im 
verbalen Fluß ist es, daß die Ziel-Komponente im Hinblick auf die Informations- 
qualität der anderen eine begrenzende Funktion ausübt. Diese ihrerseits üben die 
gleiche Funktion in fallender Ordnung aus, was bedeutet, daß die Richtungsweiser im 
ersten Fall unbegrenzt sind. Im zweiten Fall wird die zweite Subkomponente (Code 
60) durch die erste (Code 70) begrenzt und damit in diese integriert. In entsprechen- 
der Weise werden im dritten Fall zwei Subkomponenten integriert. 

Die Objektkomponente muß sich zumindest mit einer Variablen und in einer ihrer 
Varianten realisieren. Die Ordnung zwischen den Subkomponenten bestimmt sich in 
Ubereinstimmung mit perspektivischer Nachbarschaft. Es ist daher natürlich, daß die 
Figur und der Grund als notwendige Koordinaten der Perspektivierung in unmittel- 
barer Nachbarschaft auftreten, und in jedem Text gegeben sind. Mittel und Ziel sind 
dagegen wahlfrei und eher mit einem bestimmten Texttyp assoziiert. Dieses Verhältnis 
impliziert jedoch nicht, daß einige Komponenten obligatorisch und andere wahlfrei 



Codes 

00 

01 

30 
40 



20 



B. Bierschenk, I. Bierschenk & H. Helmersson 



sind, sondern nur, daß eine quantitative Relation zwischen diesen besteht. Entspre- 
chend kann nun die Analyse auf die Objektkomponente in Abbildung 7 durch die 
Ergänzung mit sprachspezifischen Graphemen erweitert werden. 

Abb. 7: Berechnung der Textobjekte. 

Codes Text 

40 befann 

50 sig 

50 nära 

50 ytan 

60 av 

60 den 

60 grunda 

60 sidan 

01 



2.9 Supplierung der Dummies 

Dieser Schritt baut auf die Formatierung des Resultats in Blöcke auf. Jeder Block ist 
ein Schritt auf eine strukturelle Ganzheit hin, die eine Funktion der Dynamik einer 
Bewegung ist, die sich auf eine Balance einpendelt. Diese tritt in Erscheinung, wenn 
das Potentialgewicht, das durch den Agenten gehalten wird, auf die Gravität der 
Objektseite einwirkt. Im Prinzip existieren im Textaufbau zwei Zustände der Balance. 
Die eine ist mit der spatialen Dimension (X-Y) und die andere mit der Masse (A n -O n ) 
verbunden, was mit folgender Relation erfaßt wird. 

X(A n )aY(O n ) (1) 

Die Unbekannte-Relation in diesem Ausdruck (1) bestimmt die Dynamik des Texts 
und ihre Komponenten stellen den Startzustand dar. Ihre Materialisierung durch das 
Supplieren der Dummies (*) stellt den Endzustand und damit die Bekanntmachung 
her. Die Bewegung, die einem Text Leben gibt, wird in Abbildung 8 veranschaulicht. 

Im Supplierungsprozeß sind es nicht mehr länger die einfachen Stränge, die hantiert 
werden, sondern vielmehr das gesamte Muster von Strängen einer bestimmten Kom- 
ponente. Im Prinzipbeispiel in Abbildung 8 wird zuerst das A-Dummy in Block (2) 
suppliert, was in diesem Fall (n-1) Schritte mit sich bringt, und was bedeutet, daß der 
Agent (XJ aus Block (1) fortgeschrieben wird. In der Supplierung der O-Dummies 
beginnt die Routine vom Fuß und arbeitet auf den Kopf zu. Im Beispiel wird das O- 
Dummy in Block (2) mit dem Objekt (Yj) suppliert. Erst wenn das geschehen ist, 
kann das O-Dummy in Block (1) mit Agent (X[) + Objekt (Y t ) aus Block (2) in 
(n+ 1) Schritten ersetzt werden. Nach einem Agentendurchlauf von Kopf bis Fuß und 
einem Objektdurchlauf von Fuß bis Kopf sind alle Dummies erfolgreich eliminiert 
worden. Dieser Prozeß kann einfach erscheinen. Dessen Operationalisierung zeigt 



Die Ökologie des Sprachraums 



21 



jedoch, daß nur ein iteratives Verfahren verknüpfte Relationen zwischen den Blöcken 
und komplizierte Selbstreferenzen zwischen den Dummies hantieren kann. 

Abb. 8: Bekanntmachung durch Supplieren. 



Codes 


Block 


Supplierun 


00 






01 


* 




30 


* 


x, 


40 


XXX 




50 


* 


(X, + Y,) 


01 


* 




30 


* 


x, 


40 


xxxx 




50 


* 


Y, 


01 


* 





00 

Durch die Kooperation von X und Y wird in diesem Prozeß Bewegung an den Über- 
gängen sichtbar. Diese winkelt die Intersektion zwischen Masse und Raum, was 
deutlich macht, daß diese Formation einen Text asymmetrisch und mit individuellen 
Variationen gestaltet. Innerhalb einer Periode treten diese Dreh- und Klappstellen 
mehr oder weniger frequent auf. Die Brechung der Symmetrie ist es, die kennzeich- 
nend für die Materialisierung ist, und es möglich macht, in einen bestimmten Sprach- 
raum hineinsehen zu können. Um diesen Umstand konkret veranschaulichen zu kön- 
nen, soll nun am sprachspezifischen Beispiel, das der Symbolisierung in Abbildung 
1 zugrunde liegt, gezeigt werden, auf welche Weise die Muster der Textur "Guck- 
löcher" öffnet, durch welche tief eingebettete Materie sichtbar wird. Das dazu not- 
wendige Rucksackverfahren arbeitet aber keinesfalls linear, sondern vielmehr nicht- 
linear. Dies wird durch sich dynamisch verhaltende Verteilungspunkte und durch die 
Drehungsmomente im Vorwärtsfluß des Sprachvolumens verursacht. Die Übersetzung 
dieser Umstände in eine linerare Repräsentation, so daß die strukturelle Ganzheit mit 
der Textur konvergiert, ist es, was von dem dynamischen und uhrengleich pendelnden 
Modus der Supplierungsprozedur zu erwarten ist. 



2.10 Kooperation und Interaktion von Textteilchen 

Das Resultat der Kooperation und Interaktion von Textteilchen, die durch unbegrenzte 
Grenzlinien abgegrenzt werden, kann durch ein konventionelles Verfahren schlechthin 
nicht erfaßt werden. Es dürfte also damit feststehen, daß die Dynamik des Fassens 
und Windens in der Textentwicklung außerhalb dessen liegt, was aus einer Analyse 
der Textur alleine gefolgert werden kann. Die Stichprobe in Abbildung 9 illustriert 
die Bedeutung der funktionellen Position der Textteilchen in einem Block. 



22 



B. Bierschenk, I. Bierschenk & H. Helmersson 



Abb. 9: Algorithmische Textbearbeitung. 



Register 


Blocksyntax 


Supplierung 


Codes 


Text 


Codes 


Text 


Codes 


Text 


00 




00 






00 






01 


När 


Ol 




När 


Ol 




När 




de 




30 


de 




30 


de 


40a 


befann 




40a 


befann 




40a 


befann 




sig 




50 


sig 




50 


sig nära ytan 




nära 




50 


nära 




60 


av den grunda sidan 




ytan 




50 


ytan 


Ol 






60 


av 




60 


av 




30 


de 




den 




60 


den 




40a 


sträckte 




grunda 




60 


grunda 




50 


de typiskt ut ben och 




sidan 




60 


sidan 


00 






01 




Ol 






Ol 




som om 


40a 


sträckte 


30 


* 




30 


de 




de 




40a 


sträckte 




40a 


förväntade 




typiskt 




50 


de 




50 


sig 




ut 




50 


typiskt 


Ol 




att 




ben 




50 


ut 




30 


de 


01 


och 




50 


ben 




40a 


ta 




fingrar 




50 


och 




50 


mark 


01 






50 


fingrar 


Ol 




» 


01 


som 


00 




» 




30 


vilket inte 


01 


om 


Ol 




som om 




40a 


hände 




de 




30 


de 




60 


över den djupa sidan 


40a 


förväntade 


40 


förväntade 


00 








sig 




50 


sig 








01 


att 


Ol 




att 








40a 


ta 




30 


* 










mark 




40a 


ta 








01 


vilket 




50 


mark 










inte 


Ol 




vilket 








40a 


hände 




30 


inte 








60 


över 




40a 


hände 










den 




60 


över 










djupa 




60 


den 










sidan 




60 


djupa 








00 






60 


sidan 









00 



In Abbildung 9 wird deutlich, daß es sich hier nicht um Klassifizierungen von Agent- 
und Objektvariablen handelt, sondern daß einzig und allein Stränge und Muster von 
Strängen manipuliert werden. Eine strikte Kontrolle der Blocksyntax sorgt dafür, daß 



Die Ökologie des Sprachraums 



23 



keine syntaktischen Fehler die Supplierungsphase unterminieren. In dieser Phase 
werden nämlich alle Dummies explizit durch Textstränge ersetzt. 



3 Topographische Repräsentation des Sprachraums 

Diese Phase beginnt mit einem Test aller Muster auf ihre Unikalität, die das Fun- 
dament der numerischen Auswertung der Relation zwischen Agent und Objekt aus- 
macht. Es ist also die Anzahl der unikal vorkommenden Agent/Objekt (A/0)-Kom- 
binationen, die von Bedeutung ist. Die A/O-Kombinationen finden sich in der sup- 
plierten Textversion wieder und bedingen die Herstellung von binären A/O-Matrizen. 
Welche dieser Matrizen generierbar ist, hängt einzig und allein vom Text ab, was 
bedeutet, daß die gegebene Stichprobe zwei verschiedene Matrizen möglich macht. 
Abbildung 10 veranschaulicht Matrixtyp und Matrixrepräsentation: 

Abb. 10: Matrixtyp und Matrixrepräsentation. 



Tab. 1: 50/30 


Figur 




Kolonne 


Zeile 


1. de 


1 . sig nära ytan 




2. de typiskt ut 




ben och fingrar 




3. sig 




4. mark 




Tab. 2: 60/30 


Grund 



Kolonne 

Zeile 1. de 2. vilket inte 

1 . av den grunda 1 
sidan 

2. över den djupa 
sidan 



Wie aus Abbildung 10 ersichtlich wird, operiert in der Stichprobe hauptsächlich ein 
Textagent, der in Tabelle (1) einen Vektor definiert. In Tabelle (2) sind es dagegen 
zwei Textagenten, die folglich zwei Vektoren bedingen. Die erste Matrix ist von der 
Dimension (4x1) und die zweite von der Dimension (2x2) mit einer binären '1' in der 




1 



24 



B. Bierschenk, I. Bierschenk & H. Helmersson 



Diagonale sowie einer binären '0' in den nicht-diagonalen Zellen. Was beide Tabellen 
gemeinsam haben, ist, daß sie zu klein sind, um den Prozeß der numerischen Analyse 
von Ähnlichkeit und Divergenz sinnvoll diskutieren zu können. 



3.1 Kontextualisierung der Numerischen Analyse 

Eine sinnvolle Diskussion der beiden Tabellen kann im Kontext eines schwedischen 
Berichts über die "Visual Cliff" -Experimente erreicht werden. Die Analyse dieses 
Berichts soll im folgenden den Referenzrahmen für alle weiteren Diskussionen der 
Gruppierung dieser Stränge abgeben. In dem Prozeß des Auffindens von natürlichen 
Gruppierung der Stränge konnte Wards (1963) Methode zur Anwendung kommen. 
Diese ist robust und baut auf einem wohlbekannten Verfahren auf, das gültige und 
überraschend neue Resultate produziert. 

In dieser Methode wird die Summe der Fehlervarianzen quadriert ("Error Sum of 
Squares" = ESS) und als Kriterium für die Gruppierung der Stränge benutzt. Der 
ESS-Wert für eine Variable und n Stränge berechnet sich gemäß folgender Formel: 

ESS = n I x 2 - 1/n [n £ x,] 2 , wo i = 1, n (2) 

Für eine Variable mit binären Werten kann diese Formel in folgende Gleichung 
transformiert werden: 

ESS B = NB] • NB / n (3) 

In dieser Gleichung gibt NB[ die Anzahl der binären '1 '-Werte für eine Prüfvariable 
an. NB repräsentiert die Anzahl der binären 'O'-Werte für die gleiche Variable. 
Definitionsgemäß gilt: 

NB, + NB = n (4) 

Der totale ESS-Wert für eine binäre Datenmatrix wird durch eine Akkumulierung 
aller ESS B - Werte über alle Variablen berechnet. Durch Formel (3) können die ESS- 
Werte in sehr effektiver Weise erhoben werden. Grundlegende Voraussetzung für 
dieses Verfahren ist die einfache Tatsache, daß alle Werte in einer binären Matrix aus 
'1' und '0' bestehen. Der ESS-Wert für ein Gruppe, der das Resultat von m Text- 
strängen und p Variablen ist, basiert im allgemeinen Fall auf (m x p) Werten. Wenn 
es sich um Variablen mit binären Werten handelt, ist es zureichend, die Berechnung 
der ESS B - Werte für ein solches Cluster alleine auf p zu beziehen. Jeder dieser p- 
Werte markiert die Anzahl der binären ' 1 ' im Cluster der Bezugsvariablen. 

Im Hinblick auf die Variablen in den Tabellen (1, 2) in Abbildung 10 ergeben die 
Clusteranalysen die Resultate, die in Abbildung 1 1 dargestellt werden. Die aktuellen 
Variablen sind kursiv gesetzt worden. 



Die Ökologie des Sprachraums 



25 



Abb. 11: Gruppierung der Textstränge. 



Figur-Komponente 

Cluster 26: Platz des Fallens 

58. sig nära ytan 

59. de typiskt ut ben och fingrar 
61. mark 

69. sig sina mammor 

70. mänga ut 

7 1 . de inte glaset Y 

72. inte glaset Y 
103. de Y 

113. de sin hemmilijö 

114. sin hemmiljö 



Deutsch 

sich in der Nähe der Oberfläche 
sie typisch aus Beine und Finger 
Boden 

sich ihren Müttern 
viele aus 

sie nicht das Glas Y 
nicht das Glas Y 
sie Y 

sie ihr Hausmilieu 
ihr Hausmilieu 



Cluster 25: Messungsobjekt 
15. de 



sie 



Grund-Komponent 
Cluster 10: Attraktion 

31. av den grunda sidan 

42. frän den grunda sidan 

43 . över tili den djupa halvan 

32. över tili den djupa sidan 



an der flachen Seite 
von der tiefen Seite 
über zu der tiefen Hälfte 
über zu der tiefen Seite 



Wie Abbildung 1 1 zeigt, wurden die Cluster mit Namen verknüpft. Diese Benennung 
geschieht für jedes Cluster unabhängig von jedem anderen, was gleichbedeutend mit 
der Benennung der Zustände des Sprachraums ist. Mit Hilfe der gegebenen Namen 
kann der Transformationsprozeß, der sich in diesem Raum entwickelt, beschrieben 
werden. Diese Beschreibung bezieht sich auf den ESS-Wert (ESS = > 1.00). 

Darüber hinaus können zur Unterstützung der Entscheidung, wo der Schnitt im Baum 
liegen sollte, einseitige t-Tests herangezogen werden. Die ESS-Werte lassen sich 
sowohl schrittweise als auch akkumuliert prüfen. Zwei verschiedene Tests mit unter- 
schiedlichen Freiheitsgraden stehen zur Verfügung. Eine liberale schrittweise Prüfung 
der ESS-Werte baut auf der Anzahl der gruppierten Stränge minus zwei (m-2) auf. Im 
konservativen Verfahren wird die erreichte Anzahl der Cluster (k) minus eins (k-1) 
dem Test zugrunde gelegt. Die praktischen Erfahrungen mit beiden haben gezeigt, 
daß von allen angebotenen Formen die konservative eine robustere Form zur Trans- 
formation des Schnittpunkts in einen standardisierten Signifikanzwert darstellt. 

Die Numerierung der Cluster in Abbildung 11 bezieht sich auf die Analyse des 
vollständigen Textes und macht deutlich, daß der eine Baum auf mindestens 26 Clu- 
stern aufbaut, während der andere Baum wenigstens 10 Cluster umfaßt. Ein hier- 
archischer Baum kann auf sehr verschiedene Weise organisiert und dargestellt wer- 
den. Für einen Baum mit n clusterbaren Strängen kann die Orientierung der Zweige 



26 



B. Bierschenk, I. Bierschenk & H. Helmersson 



an den Knotenpunkten in (2 n l ) verschiedener Weise kombiniert werden. Alle Bäume 
sind in Übereinstimmung mit folgenden zwei Regeln organisiert: 

1 . Wenn an einem Knoten die Anzahl der gruppierten Stränge auf beiden 
Seiten seiner Zweige ungleich ist, dann orientiert sich der Zweig mit der 
größten Anzahl aufwärts. 

2. Wenn an einem Knoten die Anzahl der gruppierten Stränge auf beiden 
Seiten seiner Zweige gleich ist, dann orientiert sich der Zweig mit der 
niedrigsten Strangnummer aufwärts. 

Diese Regeln gelten unter der Annahme einer horizontalen Darstellung des Baums. 
Beide sind für die Auslegung eines Baums sehr wichtig und der technische Schlüssel 
zur Interpretation der gefundenen Gruppen. Diese sind das natürliche Resultat der 
Textproduktion und nicht etwa das Resultat einer artifiziellen Ordnung, die den 
Strängen aufgezwungen wurde. 



3.2 Verknüpfung der Flüsse 

Auch unter der aristotelischen Annahme wird in einem ersten Schritt Textproduktion 
in Teile zerlegt. Aber im zweiten Schritt werden diese dann klassifiziert, was mit 
Hilfe von implizit oder explizit formulierten kritischen syntaktischen oder semanti- 
schen Merkmalen geschieht. Dieses Verfahren setzt voraus, daß Text ein hierarchisch 
aufgebautes System ist, dessen analytisch bestimmte Elemente sich mit Hilfe von 
Klassifikationen leicht ordnen lassen. Diese Argumentationslogik ignoriert jedoch die 
Dynamik des Systems und die Tatsache, daß die Interaktion der Elemente nicht wie 
Teilchen in einem Geduldspiel behandelt werden können. In allen Phasen der Analy- 
se, von der Mustererkennung bis hin zur Namengebung der Cluster, wurden zwar 
bisher hauptsächlich bestimmte und außerdem ziemlich kleine Teilchen des Texts 
behandelt, die aber in diesem Zusammenhang funktional als "physische" Teilchen 
einer Handlungseinheit verstanden werden müssen. Als solche müssen die Teilchen 
als Konstituenten einer Verhaltensart betrachtet werden. In diesem Sinne besteht der 
Stil eines Texts aus einer bestimmten "Produzent-Kontext "-Relation und deren Trans- 
formationen. 

Damit ist der Übergang zur begrifflichen Erfassung der Transformationen, und mit 
dieser der Wechsel in die Synthese, gegeben. Im technischen Sinne ist es von beson- 
derer Bedeutung, daß jede Fusion im Clusterprozeß von allen möglichen Fusionen 
ausgeht, was den Schritt zur Synthese vorbereitet. Ausgehend von den benannten 
Clustern, die die Terminalzustände des Systems repräsentieren, entfaltet sich die 
Struktur des Sprachraums in Übereinstimmung mit den im Clusterbaum operierenden 
Relationen. 



Die Ökologie des Sprachraums 



27 



3.3 Visualisierung der Synthese 

Unterstützt durch die experimentell beobachteten Variationen im verbalen Fluß der 
schwedischen Konfiguration konnten irreversible Flußtrajektorien mit ihren Attrakto- 
renzuständen identifiziert werden. Abbildung 12 stellt einen Ausschnitt der topogra- 
phischen Repräsentation des schwedischen Systems dar. Die Entfaltung der Kon- 
figuration geschieht entgegen den Uhrzeigersinn. In diesem Prozeß entstehen Termini, 
die begriffliche Neuheiten bezeichnen. Diese wurden kursiv gesetzt. 

In Übereinstimmung mit der Fusionsstruktur der Konfiguration durchläuft der Prozeß 
den Zustand "Das Unbekannte", und wenn er im Zustand "Objekt der Messung" 
ankommt, hat er sich in "Wahrnehmung" verwandelt. In diesem Prozeß wird deutlich, 
daß die Benennung des entstehenden Zustandsattraktors die Benennung einer aktuellen 
Grenze impliziert, was einen Terminus hervorbringt, der in der theoretischen Termi- 
nologie Gibsons (1979) verankert ist. Aus ökologischer Sicht gesehen, muß der 
Organismus mit einer Methode ausgerüstet sein, die es ihm erlaubt, das zu analysie- 
ren, was ihm angeboten wird. Im nächsten Schritt erzeugt die "Divergenz" zwischen 
Bekanntem und Unbekanntem folgerichtig den Terminus "Test" , der einen neuen 
Zustandsattraktor namentlich macht. Terminologisch bezieht sich dieser auf die 
demonstrative Definition der visuellen Wahrnehmung "variationsreicher ökologischer 
Objekte" (Gibsons, 1979, S. 157). Die begrenzende Bedingung, die folgt ist "Platz 
des Fallens". Dieser Zustand generiert einen Attraktor, der die natürliche Ankündi- 
gung von Gefahr mit "Höhenempfindlichkeit" namhaft macht. Wie dieser Terminus zu 
verstehen ist, wird deutlich wenn die entstandenen theoretischen Begriffe im Uhrzei- 
gersinn abgelesen werden. 

Die Grundannahme in Gibsons "The Ecological Approach to Visual Perception" ist 
"Schematismus". Ausgehend von diesem Terminus verzweigen sich zwei Linien. Die 
eine verbindet "Empfindlichkeit" mit etwas, das mit Informationsaufnahme zu tun hat. 
Die andere läuft auf "Innere Stabilität" hinaus. Beide Linien haben somit Empfindlich- 
keit gemeinsam. Im ersten Falle handelt es sich um einen Test der Höhenempfindlich- 
keit und im zweiten Fall um Selbstempfindung, die in der gegebenen Situation kom- 
plementär operiert. Wichtig für Gibson (1979, S. 125) ist es, daß Informationen zur 
gemeinsamen Perzeption der eigenen Person zugänglich sind, da nur "visuelle Kinäs- 
thesie" reliable Informationen über Verlagerungen hervorbringt. 

Sowohl aus ökologischer als auch aus konzeptueller Sicht gesehen, ist die Textur des 
Grundes der wichtigste Eckpfeiler in Gibsons (1979, S. 157) theoretischem Funda- 
ment, wie aus folgender Formulierung hervorgeht: 

"... to perceive a cliff is to detect a layout, but more than that, it is to detect an affordance, 
a negative affordance for locomotion, a place where the surface of support ends." 



28 

Abb. 12: 



B. Bierschenk, I. Bierschenk & H. Helmersson 
Phasenausschnitt der Figur-Komponente. 




Der Grund verankert demnach die Perzeption von Objekten und Ereignissen in der 
Wirklichkeit. Es ist also theoretisch von größtem Gewicht, daß ein Textproduzent sich 
frei über die Art und Weise äußern kann, wie er seine Umgebung sieht und wie er 
sich in dieser orientiert. Wenn das Gegebene, das sich dem Beobachter darbietet, als 
Qualität aufgefaßt wird, die den Sinn von Gefahr vermittelt, liegt nicht nur eine 
reziproke, sondern auch eine asymmetrische Relation zwischen Beobachter und dem 
Gegebenen vor. In Übereinstimmung mit Gibsons "Affordance" -Begriff konstituiert 
das Gegebene den Grund fürs Handeln. Was den Grund aus dem Griff der Klassifizie- 
rer befreit, ist, daß er sich nicht nach Eigenschaften oder anderen Qualitätsbezeich- 
nungen ordnen läßt, die einem Organismus oder einer Umgebung zugeteilt werden 
können. Im ökologischen Ansatz Gibsons existiert das Gegebene als strukturelles 
Angebot, das frei von Wertungen und Emotionen ist. Wenn es in eine Funktion 
eingeht, wirkt es vielmehr unmittelbar, indem es die Aufmerksamkeit des Beobachters 
attrahiert. Dieser Tatbestand wird in Abbildung 13 deutlich. 

Die Art des Verhaltens an einem Abgrund erlaubt Rückschlüsse auf dessen unter- 
schiedliche Signifikanz fürs Überleben eines Individuums. Die Unmittelbarkeit des 
Grundes bekommt ihre Signifikanz in der "Spezifikation" der Relation des Grundes 
zum Agierenden. Es ist also von vitaler Bedeutung, daß einzelne Attraktionspunkte 
unterschieden und in der Orientierung angewandt werden können. Wie aus den 
Strängen des Punktattraktors in Abbildung 11 und Cluster (10) hervorgeht, sind 
jedoch die einzelnen Punkte eine unzureichende Basis. Auch deren Relation unterein- 



Die Ökologie des Sprachraums 



29 



ander ist unzureichend. Es ist nämlich die Textur der gesamten Oberfläche, die in 
ihrer Ganzheit den Erfahrungsgrund abgibt. In entsprechender Weise bildet die Textur 
eines verbalen Flußes den Ausgangspunkt für eine topologische Beschreibung der 
Struktur des Grundes im produzierten Text. Im gegebenen Beispiel bildet "Ausset- 
zung" den höchsten Punkt einer Kurve, die den topologischen Weg im Grund be- 
schreibt. Dieser ist unverzweigt und besagt, daß eine Versuchsperson in den "Visual 
Cliff" -Experimenten, wenn sie Höhenunterschieden ausgesetzt wird, diese unmittelbar 
auf die eigene Person bezieht und sich entsprechend bewegt. Angemessenes Verhalten 
wird als Indiz der direkten Perzeption der "Affordance" eines Randes gewertet. 
Unbeschadet dessen, welche Termini mit einer "Affordance" verknüpft wurden, bleibt 
ihr Sinn jedoch solange verborgen, bis die Struktur des Grundes nachgewiesen werden 
kann, was mit diesem Schritt geschehen ist. Damit ist auch der letzte Schritt in der 
theoretischen Verknüpfung topologischer Textbeschreibung mit dessen ökologischem 
Fundament sowie dessen demonstrativer Darstellung vollzogen. 

Abb. 13: Endzustand der Grund-Komponente. 




4 Schlußbemerkung 

Jedes Mal, wenn eine Bifurkation beobachtet werden kann, weist diese auf eine mehr 
oder weniger signifikante Diskontinuität hin. Es kann also gesagt werden, daß kon- 
tinuierliche Veränderungen in den unabhängigen Variablen einer Textproduktion diese 
Diskontinuitäten generieren. Sind die hervorgerufenen Veränderungen klein, produzie- 
ren sie einen aneinander grenzenden Weg. Wenn allerdings zu irgend einem Zeitpunkt 
der Übergang von einem Zustand in einen anderen einen plötzlichen und unerwarteten 
oder außergewöhnlichen Sprung verursacht, entsteht eine Hysteresis. Wie aus der 
Beschreibung der Abbildung 12 hervorgeht, vermittelt ein solcher Sprung invariante 
Informationen, die sich von den Invarianten eines unmittelbar angrenzenden Wegs 



30 



B. Bierschenk, I. Bierschenk & H. Helmersson 



grandlegend unterscheiden. Eine Diskussion der wahrgenommenen Komplexität in den 
Affinitätsrelationen eines Textgefüges wird also erst durch das beschriebene topologi- 
sche Verfahren sinnvoll, da nur dieses die evolutionäre Entwicklung der Relationen 
zwischen den verschiedensten Textteilchen als eine Ganzheit in einer Ebene approxi- 
mieren kann. Diese läßt sich topographisch als eine Schlange, die sich in den 
Schwanz beißt, darstellen. Auf dieser Basis kann der Zusammenhang zwischen Inten- 
tion und Orientierung, so wie er sich im Schlangenweg widerspiegelt, visualisiert 
werden. Die Natur der transformierten Information, die durch diesen Weg sichtbar 
wird, verändert sich in dem Takt, mit welchem sich die Schlange fortbewegt. Wie 
demonstriert wurde, zeichnet sich im zurückgelegten Weg die Struktur des Sprach- 
raums als ungebrochene Ordnung ab, die einem bestimmten Text sein Profil gegeben 
hat. 



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Die mit einem * gekennzeichneten Beiträge wurden in dem Artikel nicht direkt 
verwendet, werden aber als weiterführende Literatur empfohlen.